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Gesundheit

Längs aufgeschnittene Chili mit heller Plazenta und Samen, daneben ein Glas Milch, eine Schale Joghurt, eine Limette und die Strukturformel von Capsaicin

Chilis sind mehr als nur scharf. Sie stecken voller Vitamine, und ihr Scharfstoff Capsaicin wirkt auf erstaunlich viele Vorgänge im Körper, vom Schmerzempfinden über die Durchblutung bis zur Verdauung.

Was in einer Chili steckt

Frische rote Chilis enthalten rund 140 mg Vitamin C pro 100 g, fast dreimal so viel wie Orangen. Dazu kommen Carotinoide, die als Provitamin A wirken und den roten, orangen und gelben Sorten ihre Farbe geben, sowie Vitamin B6, Vitamin E und Kalium. Weil man meist nur kleine Mengen isst, ist der Beitrag zur täglichen Versorgung aber überschaubar. Milde Sorten und Gemüsepaprika, von denen man mehr isst, liefern deshalb oft mehr Vitamine auf den Teller.

Wie Capsaicin wirkt

Capsaicin bindet an den Rezeptor TRPV1 auf Nervenzellen, der eigentlich Hitze ab etwa 43 °C meldet. Das Gehirn bekommt dadurch das Signal „heiß“, obwohl die Temperatur gar nicht steigt. Der Körper reagiert wie auf echte Hitze: Man schwitzt, das Gesicht rötet sich, die Nase läuft. Bei regelmäßigem Genuss werden die Rezeptoren unempfindlicher. Deshalb verträgt man mit der Zeit tatsächlich mehr Schärfe.

Glücksgefühl

Der Schärfereiz wird als Schmerz verarbeitet. Der Körper antwortet mit Endorphinen. Daher kommt das leichte Hochgefühl nach einem scharfen Essen.

Stoffwechsel

Capsaicin regt die Wärmebildung kurzzeitig an und kann den Appetit etwas dämpfen. Der Effekt ist messbar, aber klein. Ein Abnehmwunder ist Chili nicht.

Schmerzlinderung

Auf der Haut angewendet, macht Capsaicin Nervenenden vorübergehend unempfindlich. Deshalb steckt es in Wärmepflastern und Salben gegen Muskel- und Nervenschmerzen.

Durchblutung

Chili fördert die Durchblutung und das Schwitzen. Viele Esskulturen in heißen Ländern nutzen das: Verdunstender Schweiß kühlt den Körper.

Verdauung

Schärfe regt den Speichelfluss und die Bildung von Magensaft an. Bei vielen Menschen fördert sie damit die Verdauung, bei empfindlichen kann sie reizen.

Langzeitstudien

Große Beobachtungsstudien, etwa eine 2015 im British Medical Journal veröffentlichte Auswertung aus China, fanden bei regelmäßigen Chili-Essern eine etwas geringere Sterblichkeit. Ob Chili selbst der Grund ist, ist nicht belegt.

Mythen und Fakten

MythosChili verursacht Magengeschwüre.

Die Hauptursachen sind das Bakterium Helicobacter pylori und bestimmte Schmerzmittel. Wer bereits ein Geschwür oder eine gereizte Magenschleimhaut hat, kann von Schärfe aber stärkere Beschwerden bekommen.

MythosWasser löscht das Brennen.

Capsaicin löst sich in Fett und Alkohol, kaum in Wasser. Milch, Joghurt oder ein Stück Brot helfen deutlich besser.

MythosDie Samen sind das Schärfste.

Die meiste Schärfe sitzt in der hellen Plazenta, an der die Samen hängen. Die Samen sind nur scharf, weil sie dort anliegen.

StimmtAn Schärfe kann man sich gewöhnen.

Die Schmerzrezeptoren werden bei regelmäßigem Kontakt unempfindlicher. Nach einer längeren Pause ist die Gewöhnung allerdings wieder weg.

MythosScharfes Essen schadet dem Körper.

In normalen Mengen nicht. Schärfe ist ein Reiz, aber keine Verletzung. Das Brennen hinterlässt im gesunden Mund oder Magen keinen Schaden.

Wann Vorsicht geboten ist

Bei Sodbrennen, Reflux, Reizdarm, entzündlichen Darmerkrankungen oder Hämorrhoiden verstärkt Schärfe die Beschwerden häufig. Auch Kinder reagieren deutlich empfindlicher als Erwachsene.

Bei Wettbewerben mit extrem scharfen Sorten wie dem Carolina Reaper kommt es immer wieder zu heftigen Magenkrämpfen, Erbrechen und Kreislaufproblemen, in seltenen Fällen auch zu ernsten Komplikationen. Superhots sind ein Gewürz und keine Mutprobe.

Erste Hilfe bei zu viel Schärfe

Im Mund

Milch, Joghurt, Sahne oder Kokosmilch langsam im Mund behalten. Auch Brot, Reis oder ein Löffel Zucker helfen. Kein Wasser und keine Kohlensäure.

Auf der Haut

Erst etwas Speiseöl einreiben, damit sich das Capsaicin löst, dann gründlich mit Spülmittel oder Seife waschen.

In den Augen

Nicht reiben. Mit viel klarem, kühlem Wasser ausspülen und Kontaktlinsen herausnehmen. Bei anhaltenden Beschwerden ärztlich abklären lassen.

Die Informationen auf dieser Seite sind allgemeiner Natur und ersetzen keinen ärztlichen Rat.