Anbau

Chilis stammen aus den Tropen und Subtropen. Sie lieben Wärme, Sonne und Zeit. Mit etwas Planung wachsen sie aber auch in Mitteleuropa prächtig, auf dem Balkon ebenso wie im Garten oder Gewächshaus.
Wie es bei mir selbst läuft, steht unter Kohlis Chili-Pflanzen.
Die Saison im Überblick
Aussaat
Samen etwa 0,5 cm tief in Anzuchterde legen. Sehr scharfe chinense-Sorten brauchen am längsten und werden zuerst gesät, milde Sorten können bis März warten.
Keimen
Bei 25 bis 28 °C keimen die meisten Samen nach ein bis zwei Wochen. Superhots lassen sich manchmal bis zu vier Wochen Zeit. Ein Zimmergewächshaus auf der warmen Fensterbank oder eine Heizmatte helfen.
Pikieren
Sobald die ersten echten Blätter da sind, kommen die Sämlinge in eigene Töpfe. Viel Licht, notfalls eine Pflanzenlampe, verhindert lange, dünne Triebe.
Nach draußen
Nach den Eisheiligen dürfen die Pflanzen ins Freie. Vorher ein bis zwei Wochen abhärten: erst stundenweise in den Schatten, dann allmählich in die Sonne.
Blüte und Fruchtansatz
Die Pflanzen wachsen kräftig und blühen. Aus jeder bestäubten Blüte entwickelt sich eine Schote.
Ernte
Reife Schoten regelmäßig abschneiden statt abreißen. Das schont die Zweige und regt die Pflanze an, weitere Blüten zu bilden.
Überwintern
Vor dem ersten Frost ins Haus holen. Dazu unten mehr.
Standort und Topf
Ein sonniger, warmer und windgeschützter Platz ist ideal, etwa eine Südwand oder ein Balkon mit Mittagssonne. Je mehr Sonne, desto mehr Schoten und desto mehr Schärfe. Eine Ausnahme ist die Rocoto (C. pubescens): Sie stammt aus den Anden, verträgt Kühle und mag es mittags gern etwas schattig.
Im Topf brauchen kleine Sorten etwa 5 Liter Erde, große Pflanzen wie Rocoto oder Ají eher 15 bis 20 Liter. Wichtig ist ein Abzugsloch, denn stehendes Wasser lässt die Wurzeln faulen.
Erde, Gießen und Düngen
Gut geeignet ist lockere, durchlässige Gemüse- oder Tomatenerde, gern mit etwas Sand oder Perlite. Gegossen wird, wenn die oberen Zentimeter angetrocknet sind. Dann lieber durchdringend und seltener als jeden Tag ein Schluck. Am besten morgens und nicht über die Blätter.
Bis zur Blüte fördert ein stickstoffbetonter Dünger das Wachstum. Ab der Blüte ist ein Dünger mit mehr Kalium und Phosphor besser, etwa ein Tomatendünger. Zu viel Stickstoff macht die Pflanzen grün und üppig, aber faul beim Blühen.
Blüte und Bestäubung
Chilis sind Selbstbestäuber: Jede Blüte kann sich selbst befruchten. Draußen erledigen Wind und Insekten den Rest. Drinnen hilft es, die Pflanze ab und zu sanft zu schütteln oder mit einem weichen Pinsel von Blüte zu Blüte zu tupfen.
Werfen die Pflanzen Blüten ab, ist meist Stress der Grund: große Hitze über etwa 32 °C, kalte Nächte, Trockenheit oder zu wenig Licht. Das gibt sich meist von selbst, sobald sich die Bedingungen bessern.
Schädlinge
Blattläuse
Sitzen an Triebspitzen und Blattunterseiten. Mit einem scharfen Wasserstrahl abspülen; Marienkäfer und Florfliegen helfen draußen mit.
Spinnmilben
Feine Gespinste und gesprenkelte Blätter, vor allem bei trockener Heizungsluft. Luftfeuchte erhöhen und die Blätter regelmäßig abbrausen.
Trauermücken
Kleine schwarze Fliegen über dauerfeuchter Anzuchterde. Weniger gießen, Gelbtafeln aufstellen und die Erdoberfläche abtrocknen lassen.
Weiße Fliege
Fliegt beim Berühren der Pflanze auf, häufig im Gewächshaus. Gelbtafeln und Nützlinge wie Schlupfwespen helfen.
Überwintern
Chilis sind mehrjährig. Überwinterte Pflanzen starten im Frühjahr mit einem großen Vorsprung, blühen früher und tragen oft mehr. Vor dem ersten Frost werden sie ins Haus geholt, kräftig zurückgeschnitten und auf Schädlinge kontrolliert.
Am besten überwintern sie hell und kühl bei 10 bis 15 °C, zum Beispiel in einem hellen Treppenhaus. Gegossen wird nur so viel, dass die Erde nicht ganz austrocknet. Im Februar oder März wandern sie wieder an einen warmen Platz und bekommen frische Erde.
Eigenes Saatgut
Samen aus vollreifen Schoten lassen sich einfach trocknen und im nächsten Jahr aussäen. Allerdings kreuzen sich Chilis leicht, wenn mehrere Sorten nebeneinander blühen. Wer sortenreines Saatgut möchte, umhüllt einzelne Blüten vor dem Aufgehen mit einem feinen Beutel aus Vlies oder Organza und markiert die Schoten, die daraus entstehen.
